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Crucifixion 2018

Crucifixion 2018

Durch die Musik innig verbunden

Calw. Das Oratorium zur Passion mit dem Namen "The Crucifixion" ("Die Kreuzigung") war ein musikalisches Glanzlicht aus der bewährten Kooperation zwischen Kammerorchester Altensteig, Jugendsinfonieorchester Altensteig und den Chören des Maria von Linden-Gymnasiums Calw.

Seit 2007 finden im zweijährigen Turnus diese wunderbaren Gemeinschaftsproduktionen ihren krönenden Höhepunkt in großen Konzerten. Wie nun geschehen bei zwei Stadtkirchenkonzerten in Calw. Das Besondere: Ist es doch ein Generationen übergreifendes Musizieren von Menschen. Ehemalige und aktuelle Schüler aus den verschiedensten Jahrgangsstufen, Eltern, Lehrkräfte und Sonstige, den Schulen Nahestehende, sich einander fremd und durch die Musik bald innig verbunden, trugen ihren Teil zum famosen Gelingen bei.

Voll besetzte Ränge

Die musikalischen Leiter Jutta Hay (Sinfonie), Wolfgang Mücke (Bläser), Stefanie Strobel (Chöre) wagten sich heuer an eines der meist aufgeführten Werke zur Passionszeit im englischen Sprachraum heran. Zweimal voll besetzte Ränge und stehende Ovationen am Ende waren für die Darsteller Lohn für diese das Gehör und die Seele verwöhnende Kunst.

Getragenes gab es zu Einleitung mit Anton Bruckners "Christus factus est". Beschwingtes mit Vivaldis "Konzert in d-moll". Bestechend der warme Klang von Violinen und Streichern im Kirchenschiff. Wohlig und harmonisch vertrugen sich Trompete und Streicher bei Händels "Ombra mai fù". Lukas Roller an der Violine spielte sein Solo ebenso gekonnt wie Gregor Mattersberger seine Trompete.

Dann die Stainer’sche Passionsmeditation. Überraschend das in Calw gebotene Arrangement in einer Orchesterfassung. Das Werk war nur mit Orgelbegleitung komponiert worden. Genau hier verdienten das Jugendsinfonieorchester, ein gemeinsames Orchester der Altensteiger Musikschule und des Christophorus Gymnasiums sowie das Altensteiger Kammerorchester höchste Anerkennung. Mit den vielen Streichern und Bläsern wurde alles ob der Vielfältigkeit und den bunten symphonischen Klangfarben höchst intensiv erlebbar.

Singende, Spielende und Zuhörende fühlten sich von Beginn an in Eintracht mit der ihm eigenen Tonsprache des Komponisten. Diese rührte einen deshalb, weil sie Schmerz und Leid der Kreuzigung Christi und auch die Hoffnung der damit verbundenen Erlösung zu verdeutlichen vermochte.

Es war der Engländer John Stainer (1840-1901), Organist der St. Pauls Cathedtral und einer der angesehensten Kirchenmusiker der viktorianischen Zeit, welcher diese "Meditation über die Kreuzigung", wie er selbst sein Oratorium für Tenor- und Bass- Solisten, Chor und Orgel nannte, komponierte. Damit ließ Stainer das Werk in seinem Aufbau den Passionen Bachs folgen. Diese wurden zu jener Zeit bekannt.

An diese Interpretation der "Kreuzigung" in Calw wird man sich gerne und lange erinnern. Das lag mit an einer geradezu spürbaren enthusiastischen Freude der als Chor singenden Menschenmenge sowie der herrlichen Stimmen der Solisten. Stellvertretend für viele und treffend brachte Jutta Hay, die Leiterin des Jugendsinfonieorchesters, ihre Bewunderung zum Ausdruck. "Erstaunlich, es sind doch fast alles Schüler, die hier ein solches Kunstwerk fertigbringen."

Nicht ganz ohne Stolz erfolgte der einladende Hinweis auf zwei ehemalige Calwer Abiturienten des Hermann Hesse-Gymnasiums und des Maria von Linden-Gymnasiums. Raoul Bumiller (Tenor) und Thomas Erlenmayer (Bariton) eroberten mit ihren Solopassagen die Herzen der Zuhörer. Deren eindringliche Stimmen und ausdrucksstarken Wechselspiele mit dem Männerchor steigerten sich immer wieder zum bewegenden Tongenuss.

Dass ein solches Vorhaben viele Mütter wie Väter hat, zeigt die beeindruckende Liste der vielen Mitwirkenden und Verantwortlichen. Soli: Clara Kluge, Lea Olschewski, Felix Blaich, Felix Beuter, Esther Komenda, Lukas Plappert, Cornelius Fezer. Einstudierung: Elisabeth Zaia (MvLG-Unterstufenchor). Stefanie Strobel (MvLG Mittel- und Oberstufenchor sowie Projektchor) Michael Hochsprung (MvLG Mittel- und Oberstufenchor Männerstimmen), Diana Dobers, Danuta Plaschko, Renate Harr (Jugendsinfonie- und Kammerorchester Altensteig), Bernhard Kugler, Claudia Fries-Levacher, Christina German, Annerose Krämer-Hübner (Solopartien, Musikschule und Aurelianer).

So konnte "die Kreuzigung" zur Sinn machenden Aneinanderreihung werden, einer Kette von Verurteilung und dem Todeskampf Jesu, der Prozession zum Kalarienberg, des Geheimnisses der göttlichen Dämmerung, dem "Vater, vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", der Fürbitte des Gekreuzigten und einem furiosen wie brillanten Schluss. Eben dieses von allen gesungene, gespielte, andächtige "All for Jesus, this the Church’s song must be, Till, at last, her Songs are gathered, One in love an one in Thee" mit einem bedeutenden "Amen". Die logische Folge: Die mächtige Hymne wurde auf Zuruf der musikalischen Chefin, Stefanie Strobel, nach nicht enden wollenden Beifallsbekundungen gerne als Zugabe wiederholt.

Klänge wirken nach

Gewaltig, wuchtig, gigantisch – Begriffe der Superlative gäbe es genügend, um diese musizierende Menschenformation zu beschreiben, die sich vor dem Calwer Altar aufgebaut hatte. Am Ende war es die künstlerische Darstellung selbst und die Eindrücke des Himmlischen, des Fühlenden, des Beglückenden und des Berührenden, die sich manchem in die Seele gruben und so auf dem Nachhauseweg nachwirkten.

(Artikel von Von Roland Stöß 06.02.2018, Schwabo)

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